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Wissenschaftsfreiheit

Academic Freedom Index 2020: V-Dem Daten v11. Visualisierung mit AFi-Statusgruppen von FAU und GPPi

2020 Update: Academic Freedom Index

AFI Report 2020 (PDF)

Kompletter Datensatz

Pressemitteilung


Wissenschaftsfreiheit ist eine Voraussetzung für Forschung und Innovation. Seit langem findet eine lebhafte akademische Debatte über dieses Konzept statt, zu der auch Menschenrechtsexperten beitragen. Tatsächlich haben sich die meisten Länder der Welt, 171 an der Zahl, im Rahmen des UN-Sozialpakts (Artikel 15.3) rechtlich verbindlich dazu verpflichtet, die Freiheit der Forschung als universelles Menschenrecht zu achten und zu schützen. Diese de jure Verpflichtung sollte natürlich nicht mit der de facto Realisierung von Wissenschaftsfreiheit verwechselt werden.

Die empirische Umsetzung der Wissenschaftsfreiheit weltweit wird erst seit kurzer Zeit unter Beteiligung der FAU systematisch erforscht. Der nun zur Verfügung stehende Academic Freedom Index (AFi) liefert den bisher umfangreichsten Datensatz zum Thema. Er deckt den Zeitraum 1900 bis 2020 ab und aggregiert fünf Indikatoren (Freiheit der Forschung und Lehre; Freiheit des akademischen Austauschs und der Wissenschaftskommunikation; Institutionelle Autonomie; Campus-Integrität sowie die akademische und kulturelle Ausdrucksfreiheit).


AFi-Durchschnittswerte weltweit 1900-2020. Nur ein Auschnitt der Y-Achse wird gezeigt. Daten: V-Dem V-11. Visualisierung: GPPi.


Der AFi wurde erstmals im März 2020 auf dem SAR Global Congress vorgestellt (siehe Video unten). In Folge wurde er in interschiedlichen Formaten präsentiert, unter anderem im Oktober 2020 auf der Ministerkonferenz des Europäischen Forschungsraums, direkt vor der Verabschiedung der Bonner Erklärung zur Forschungsfreiheit. Im November 2020 bezog sich die Parlamentarische Versammlung des Europarats in einer Resolution auf den Index. Diese Entwicklung haben wir im FAU Human Rights Podcast #10 aufgegriffen.

 

 

Der Academic Freedom Index geht auf eine Initiative von FAU-Professorin Katrin Kinzelbach zurück. Sie organisierte 2017 eine internationale Konferenz, an der unterschiedliche Experten teilnahmen – Wissenschaftler, die Indizes entwickelt haben; Professorinnen und Professoren mit Fachwissen zum Thema Wissenschaftsfreiheit sowie zu Repression im Universitätssektor einzelner Beispielländer; ein ehemaliger Bildungsminister; Vertreterinnen und Vertreter wissenschaftlicher Vereinigungen und des Scholars at Risk Network sowie Akademiker, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Im Anschluss an diese Konferenz wurde der Academic Freedom Index in internationaler Zusammenarbeit realisiert. Maßgeblich hierfür war die Beteiligung des V-Dem Instituts an der Universität Göteborg, das eine ausgeklügelte und erprobte Methode beisteuerte, um Expertenmeinungen international zu erheben und sinnvoll zu aggregieren. Der komplette Datensatz wird von V-Dem öffentlich zur Verfügung gestellt und ist auch über ein benutzerfreundliches Visualisierungstool einsehbar. Am Codebuch für den Academic Freedom Index haben neben Prof. Dr. Anna Lührmann und Prof. Dr. Staffan Lindberg vom V-Dem Institut und Prof. Dr. Katrin Kinzelbach (FAU) auch Janika Spannagel sowie Ilyas Saliba vom Global Public Policy Institute (GPPi) mitgewirkt. Gemeinsam mit dem Scholars at Risk Network hat GPPi zudem Politik- und Handlungsempfehlungen veröffentlicht, die zeigen wie die Indexdaten zum Schutz der Wissenschaftsfreiheit nutzbar gemacht werden können.


Neben der mit dem Index verbundenen quantitativen Forschung sind qualitative Fallstudien zur Ergründung der Wissenschaftsfreiheit und ihrer Einschränkungen unerlässlich. Ein Sammelband mit Forschungsrichtlinien und Länderfallstudien wurde im Dezember 2020 bei FAU University Press publiziert.