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Forschungsprofil

Über die Forschung am Lehrstuhl

Die Forschungstätigkeit am Lehrstuhl für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte der FAU konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte: (a) die kognitiven Strukturen von Politik und (b) die politischen Dimensionen menschlicher Körperlichkeit (Biopolitik / Lebenswissenschaften). Beide Forschungsbereiche werden im Zusammenhang mit Fragen der Hermeneutik und der politischen Methodenlehre behandelt.

(a) Zu den kognitiven Strukturen der Politik rechnen wir die wirksame Präsenz von Wissensbeständen in politischen Prozessen und relevante Typen politischen Vernunftgebrauchs. Die Erfassung und kategoriale Analyse von Typen des politischen Vernunftgebrauchs markiert einen innovativen Forschungsansatz mit Bezug auf historische, kulturelle und religiöse Formen des politischen Denkens, die in der Geistes- und Ideengeschichte unterschiedlicher Zivilisationen vor allem in Asien, Europa und Nordamerika ausgeprägt sind. Neben der Ausprägung von Typen sind deren wechselnde kulturelle Dominanz und historische Wirksamkeit Gegenstand der Forschungstätigkeit. Die Typologie gruppiert sich um eine ideengeschichtlich fundierte Konstellation von anthropologischen (vernunft- bzw. körperzentrierten) und politischen (verständigungsorientierten bzw. kampfbasierten) Grundmustern, die beispielsweise in noetischen, somatischen, konstruktivistischen und religiösen Typen ausgedrückt sind. Das Forschungsinteresse richtet sich insbesondere auf die Erfassung der kognitiven Gehalte demokratischer Politik im Gegensatz zu autoritären und totalitären Denkformen. Dazu gehören:

  • die philosophische Explikation von relevanten Gehalten zentraler Typen des politischen Vernunftgebrauchs,
  • die ideengeschichtliche Grundlage der Typenexpression mit Schwerpunkten in der Antike (z. B. Platon, Aristoteles) und ihrer Rezeption in der Gegenwart, dem neuzeitlichen Kontraktualismus (z. B. Th. Hobbes), dem Deutschen Idealismus (z. B. I. Kant, G. W. F. Hegel), dem Konservatismus des 19. Jahrhunderts (z. B. von Gerlach, von Haller, Stahl) sowie der Politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart (z. B. H. Arendt, A. Kojève, J. Rawls, L. Strauss, E. Voegelin),
  • die Ausarbeitung der demokratietheoretischen Voraussetzungen und Implikationen,
  • die methodologische und wissenschaftstheoretische Fundierung des typologischen Ansatzes.

(b) Die politische Problematik des menschlichen Körpers ist – als komplementäres Gegenstück zur Typologie politischen Vernunftgebrauchs – ein weiterer zentraler Gegenstand der Forschungstätigkeit. Der menschliche Körper wird thematisiert in seiner politischen Funktionalität, das heißt als Problem und Gegenstand von Politik (z. B. der Geschlechter- und der Sozialpolitik), als Referenzpunkt für politische Grundverständnisse, die daraus folgende Analyse und Konzeption von Politik und die Strukturierung der politischen Praxis. Zugleich ist die im engeren Sinn biopolitische Dimension der naturwissenschaftlichen und technologischen Objektivierung menschlichen Lebens und der Natur zentraler Bezugspunkt der Forschungsinteressen und aktueller Forschungsvorhaben. Unter diesem Gesichtspunkt definiert sich die politiktheoretische Forschungstätigkeit in einem relevanten Sinn als Lebenswissenschaft.