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Laufende Promotionen

 


Christoph Bruckmüller, M.A.christoph_bruckmueller

Die Entwicklung des schwedischen Parteiensystems ab 1988

Betreuer: Prof. Dr. Heinrich Pehle

Sieht man auf das aktuelle schwedische Parteiensystem, so hat dieses auf den ersten Blick nur noch wenig gemein mit der klassischen skandinavischen Form, die es im eingefrorenen Zustand im internationalen Vergleich ungewöhnlich lange annahm. Mit dem Jahr 1988 weisen Indikatoren auf Veränderungsprozesse hin, durch die sich das ehemals stabilste pluralistische Parteiensystem der Welt von seinen einfachen Strukturen verabschiedet hat. Diese Entwicklung zu entschlüsseln, stellt das zentrale Erkenntnisinteresse der Arbeit dar. Die Forschung zum Parteiensystemwandel in Westeuropa konnte bisher in ihrer Tiefe nur unbefriedigende Ergebnisse hervorbringen, was im Wesentlichen auf die vorherrschende Arbeitsweise von entweder quantitativ komparatistischen Ansätzen, die auf der morphologischen Ebene verbleiben müssen, oder von scheinbar vergleichenden Nebeneinanderstellungen kurzer qualitativer Analysen zurückzuführen ist. Die explorative Dissertation möchte das Spannungsfeld zwischen quantitativer und qualitativer Analyse aufbrechen und in der wenig beachteten Form der longitudinalen Fallstudie einen Beitrag leisten, um für jenes Problem Abhilfe zu schaffen. Die Fragen „Von wo nach wo?“, „Wie?“ und „Warum?“, die an die Entwicklung zu richten sind, werden dabei in einem mixed methods Forschungsdesign beantwortet. Während die erste durch in der vergleichenden Parteiensystemanalyse etablierte Operationalisierungen aufgelöst wird, ist die Arbeit für die beiden letztgenannten Fragen als process tracing angelegt. Diese Methode erlaubt den für die Komplexität des Untersuchungsgegenstands und den Umfang des -zeitraums zwingend erforderlichen Zugriff mit verschiedenen theoretischen Ansätzen, nachdem durch die enge Verwobenheit von Akteuren und Strukturen bei der Wahl nur einer theoretischen Perspektive kein befriedigendes Ergebnis zu erwarten ist. Somit entsteht eine Analyse der Entwicklung des schwedischen Parteiensystems, die mit verschiedenen Ansätzen quantitative Daten in einen qualitativen Kontext einbettet und kausale Erklärungen für die Veränderungen im Zeitraum nach 1988 anbietet.


Dipl.-Pol. Kristina Chmelarkristina-chmelar

Kommunismus ausstellen. Eine multimodale Diskursanalyse staatlich organisierten Gedenkens in Deutschland

Betreuer: Prof. Dr. Heinrich Pehle

Insbesondere Jahrestage werden von geschichtspolitischen AkteurInnen systematisch dazu genutzt, der Öffentlichkeit je spezifische Erinnerungsangebote zu unterbreiten. Herausragende Strukturpositionen können in diesem Kontext staatlichen Organisationen attestiert werden, die basierend auf einem gesetzlich geregelten Auftrag die nationale ‚Aufarbeitung’ bzw. ‚Bewältigung’ des Sozialismus anleiten sollen. Um die Gegenwart, bestenfalls auch die Zukunft in bestimmter Weise zu ordnen, zu stabilisieren und zu legitimieren, versuchen ihre MitarbeiterInnen entsprechende Deutungen einer gesetzten Periode der Vergangenheit in das sogenannte kollektive Gedächtnis zu überführen und damit zu verstetigen. Besonders interessant erscheinen vor diesem Hintergrund bedeutungsorientierte Fragestellungen, im vorliegenden Fall zuvorderst die Frage nach dem Wie der staatlich organisierten Inszenierung von Sozialismus im Rahmen von Ausstellungen rundum den 20. bzw. 25. Jahrestag der Ereignisse von 1989. Um eine angemessene Antwort zu ermöglichen, dient eine im Anschluss an Michel Foucault entwickelte Analytik, die jenseits eines ‚glücklichen Positivismus’ vornehmlich auf Foucaults machttheoretisch grundierte Überlegungen zu Genealogie und Dispositivanalyse rekurriert und jene weiterentwickelt. Insgesamt gerät Erinnerungskultur von einer Übersetzungsperspektive aus in den Blick, die jenseits apriorischer Dualismen von Agent und Struktur oder von Diskursivem und Materiellem ansetzt und Prozesshaftes zu erklären hilft.


Patrick Michael Dino Finke, M.A.

Die Arbeitsweise der Ausschüsse des Bundesrates

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Die Ausschüsse des Bundesrates stellen ein bisher in der Forschung wenig beachtetes Organ im Gesetzgebungsprozess der Bundesrepublik dar. Dies ist umso verwunderlicher, da sie eine zentrale Rolle in den Verfahrensabläufen des Bundesrates einnehmen und Entscheidungen für das Plenum, das selbst aufgrund der Fülle an Vorlagen in jeder Sitzung meist nur notariellen Charakter hat, inhaltlich vorbereitet.

Ziel dieses Dissertationsvorhabens soll daher sein, die Arbeitsweise in den Ausschüssen des Bundesrates näher zu beleuchten. Hierfür soll in einem ersten Schritt das Abstimmungsverhalten der Länder in ausgewählten Ausschüssen untersucht werden um zu prüfen, ob die Entscheidungsfindung in den Ausschüssen durch Parteikonflikte oder andere Motive bestimmt wird. Der zweite Teil der Arbeit soll sich mit der Gruppe der Ausschussvertreter der Länder beschäftigen. Anders als im Plenum werden die Sitzungen der Ausschüsse in der Regel von Fachbeamten der Länder wahrgenommen, die entweder von den Landesministerien selbst entsendet werden oder bei der Landesvertretung in Berlin beschäftigt sind und diese Tätigkeit meist für viele Jahre ausüben. Mittels Interviews soll die Arbeit dieser kleinen, über die Jahre recht konstant bleibenden Personengruppe näher dargestellt werden.


Dipl.-Pol. Florian Fößelflorian-foessel

Warum scheiterte der Dritte Weg der Sozialdemokratie? Ein deutsch-britischer Vergleich

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Das Forschungsvorhaben aus dem Bereich der vergleichenden Parteienforschung be-schäftigt sich thematisch mit dem Dritten Weg der Sozialdemokratie in Deutschland und Großbritannien. In gegebenem Kontext bezeichnet der Begriff des Dritten Weges ein parteipolitisches Strategiekonzept zur Neuausrichtung programmatischer Grund-prämissen und angestrebter Politikziele, das angesichts veränderter ökonomischer, sozi-alstruktureller und politischer Rahmenbedingungen auf die Runderneuerung der Sozial-demokratie im 21. Jahrhundert abzielte. Konzeptionell betrachtet, war die Strategie des Dritten Weges darauf ausgerichtet, einen alternativen Politikentwurf zwischen keynesi-anisch-etatistischem Marktinterventionismus der Alten Linken und neoliberalem Markt-liberalismus der Neuen Rechen zu begründen. Das Dissertationsprojekt folgt der er-kenntnisleitenden Forschungsfrage, warum der Dritte Weg als gesamtstrategischer Re-ferenzpunkt einer sozialdemokratischen Reform- und Modernisierungsperspektive trotz anfänglicher Erfolge im Ergebnis »scheiterte« bzw. warum in beiden Vergleichsfällen die programmatische und politikstrategische Abkehr vom Konzept des Dritten Weges zu konstatieren ist.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird die Parteientwicklung von New Labour und der Neuen Mitte in den Kontext eines intentionalen Parteienwandels gestellt und vergleichend analysiert. Hierfür werden unter Rückgriff auf den Theoriebestand der wandlungsorientierten Parteienforschung, der politikwissenschaftlichen Strategieanaly-se sowie prominenter Evaluationsheuristiken der Policy-Evaluation-Studies parteiinter-ne, parteiexterne und policy-bezogene Einflussfaktoren entwickelt, die strategiegeleitete Wandlungsprozesse erfolgsentscheidend beeinflussen. Die Kernthese der Arbeit lautet: Die Abkehr der britischen und deutschen Sozialdemokratie von der Strategie des Dritten Weges ist in beiden Vergleichsfällen auf ein komplexes Zusammenspiel von parteiin-ternen Legitimationsdefiziten, konzeptionellen Unzulänglichkeiten der jeweiligen Re-formstrategien sowie dem Verlust parteipolitischer Wettbewerbsfähigkeit infolge der reformpolitischen Strategieimplementierung in den wohlfahrtsstaatlichen Kernpolitik-feldern der Wirtschafts- und Sozialpolitik zurückzuführen. Alternativ formuliert: So-wohl New Labour als auch die Neue Mitte sind in ihrem Vorhaben gescheitert, unter dem Leitmotiv des Dritten Weges ein parteiintern mehrheits-, parteiextern wettbewerbs- und konzeptionell tragfähiges Wirtschafts- und Sozialmodell zu etablieren, das über hinreichendes Kompatibilitätspotential mit dem identitätskonstituierenden und profil-bildenden Grundwertekanon der Sozialdemokratie verfügte. Leitfadengestützte Exper-teninterviews und die hermeneutische Analyse kontextrelevanter Parteidokumente ste-hen im Zentrum der qualitativ-empirischen Untersuchung.



Dipl.-Pol. Manuel Kronschnabelmanuel-kronschnabel

Von D’Hondt zu Hare/Niemeyer – eine Untersuchung der Auswirkungen der bayerischen Kommunalwahlsystemänderung 2010 auf das kommunale Parteiensystem und auf die Funktionsfähigkeit bayerischer Kommunalvertretungen

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Der Bayerische Landtag reformierte 2010 das Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz und ersetzte die Sitzzuteilungsmethode nach D’Hondt durch die Methode nach Hare/Niemeyer. Bei der Bayerischen Kommunalwahl 2014 kam die neue Zuteilungsmethode zum ersten Mal zum Tragen. Seit 2016 gab es im Bayerischen Landtag Bestrebungen des Gesetzgebers, diese Wahlsystemänderung rückgängig zu machen mit der Begründung, das kommunale Parteiensystem sei zunehmend zersplittert und den Kommunalvertretungen drohen Funktionseinschränkungen. Empirische Untersuchungen hierzu fehlen jedoch für die bayerische kommunale Ebene.

Die Dissertation wird ebenjene beiden Frage untersuchen: Wie zersplittert sind die bayerischen Kommunalvertretungen tatsächlich? Und wie ist praktische Kommunalpolitik in Bayern strukturiert, wie sehen die Entscheidungsprozesse vor Ort aus und welche Auswirkungen – Stichwort Funktionseinschränkungen – sind für die Kommunalvertretungen infolge von Zersplitterung denkbar?

Die erste Forschungsfrage wird anhand einer strukturellen Parteiensystemanalyse bearbeitet. Diese Analyse soll die Entwicklung der wichtigsten Parteiensystemeigenschaften seit der Kommunalwahl 2002 bis zur jüngsten Kommunalwahl 2014 aufzeigen. Ein expliziter Schwerpunkt der Darstellung sollen dabei die Auswirkungen der Wahlsystemänderung mit dem Wechsel des Zuteilungsverfahrens bei der Kommunalwahl 2014 sein.

Die zweite Forschungsfrage soll mittels einer empirischen Umfrage von Bürgermeistern und Mitgliedern von Kommunalvertretungen beantwortet werden. In der Erhebung sollen die konkreten Ansichten der Betroffenen in den Kommunalvertretungen zur Kommunalpolitik, zu kommunalen Entscheidungsprozesse und zur Problematik der Zersplitterung samt denkbarer Funktionseinschränkungen erfragt werden.


Daniel Lemmer, M.A.daniel-lemmer

Der Wandel des spanischen Parteiensystems von 1977 bis 2017: Position issues und Wettbewerb

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Ziel dieser Arbeit ist es, den Wandel des spanischen Parteiensystems von 1977 bis in die Gegenwart durch die in Wahlprogrammen enthaltenen issues messbar zu machen und deren Verschiebungen sowie die unterschiedlichen Wettbewerbskonstellationen, in denen sich die Parteien zueinander befinden, zu untersuchen. Die Methode ist deduktiv und geht dabei von der Annahme aus, dass die Kernfunktion von Parteien nicht die Regierungsbildung, sondern die Repräsentation ist. Diese Annahme, welche die Methode zur Messung von issues bestimmt, wird mit Hypothesen über das zu erwartende Verhalten von Parteien aus der Parteiensystemwandel-Literatur kombiniert. Obwohl diese Hypothesen u .a. aus dem ökonomischen, von Downs (1957) begründeten Zweig der Parteiensystemforschung stammen, grenzt sich das theoretische Vorgehen klar von diesem Zweig ab, da beispielsweise nicht von ökonomisch-rational handelnden Individuen bzw. Akteuren ausgegangen wird. Obwohl der Fokus der Arbeit auf dem gesamten Zeitraum von 1977 bis in die Gegenwart liegt, rückt somit auch unweigerlich die Frage nach der Entstehung neuer Parteien in den Mittelpunkt.


Constantin Schlachetzki, M.A.

Effektivität und Effizienz der Sicherheit kritischer Infrastrukturen und des Heimatschutzes operationalisiert – Staatliche und privatwirtschaftliche Maßnahmen zur Erhöhung des Schutzniveaus in ausgewählten Infrastruktursektoren Deutschlands und der Vereinigten Staaten 

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Kritische Infrastrukturen sind von herausragender Bedeutung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, nationale Sicherheit und Funktionsfähigkeit industrialisierter Länder – und entsprechend sowohl im Rahmen der Cyber-Kriegsführung als auch durch „klassische“ physische Angriffe bedroht.  Ziel dieser Dissertation ist es, Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastrukturen in Bezug auf Effektivität und Effizienz zu analysieren.

Im Rahmen von Fallstudien aus jeweils zwei Infrastruktursektoren in Deutschland und den Vereinigten Staaten befaßt sich die Arbeit mit der Sicherung maritimer Lieferketten sowie von Produktionsanlagen der chemischen Industrie. Dazu werden, ausgehend von Theoriemodellen der Mikroökonomie, quantitative und qualitative Indikatoren herangezogen, um die Effektivität deutscher und US-amerikanischer Infrastrukturschutzprogramme meßbar zu machen. Diese wird dabei wesentlich als eine Funktion der Reduzierung von sicherheitsrelevanten Marktfunktionslücken verstanden, welche etwa aus externen Sicherheitseffekten und Interdependenzen resultieren können.

Anschließend wird die Effizienz der Sicherungsmaßnahmen untersucht, d.h. mit Hilfe des Instruments der Kosten-Nutzen-Analyse wird geprüft, ab welcher Schwelle die erfolgten Sicherheitsinvestitionen in den Infrastruktursektoren kostenneutral sind oder Nutzen generieren. Die Berechnung des Nutzens erfolgt in diesem Kontext auf Basis der Vermeidung potentieller menschlicher und wirtschaftlicher Verluste und somit der Folgenabschätzung verschiedener Angriffsszenarien auf kritische Infrastrukturen sowohl aus dem Spektrum der physischen Sicherheit wie auch der Cyber-Sicherheit.

 

 

Martina Schlögel, M.A.martina-schloegel

Strategen in Roben. Eine Untersuchung möglicher Einflussfaktoren auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts unter forschungsleitender Zugrundelegung der sozialwissenschaftlichen Literatur zum U. S. Supreme Court

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Das Bundesverfassungsgericht trifft mit seiner Judikatur Entscheidungen über elementare Fragen des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Während die Wirkung der Rechtsprechung in der wissenschaftlichen Diskussion breite Rezeption fand, wurde bislang jedoch kaum erforscht, welchen Einflüssen die Richter ihrerseits ausgesetzt sind, und welche Auswirkungen diese Einflüsse auf die höchstrichterlichen Entscheidungen haben.

Die Richter des Bundesverfassungsgerichts verfügen über eine enorme Machtfülle und pflegen zugleich den Nimbus besonderer Unparteilichkeit und Objektivität. Die neun Richter des U.S. Supreme Court und deren Rechtsprechung sind seit Jahrzehnten intensiver sozialwissenschaftlicher Forschung und es wurden etliche Faktoren identifiziert, die sich auf die Rechtsprechung des obersten Gerichts der Vereinigten Staaten auswirken.

Das Dissertationsprojekt setzt sich mit diesen Faktoren auseinander, trifft eine Auswahl, identifiziert weitere interne und externe Faktoren, die für den spezifischen Kontext des Bundesverfassungsgerichts von Bedeutung sein könnten und untersucht diese empirisch.


Antonios Souris, M.A.Bild Antonios Souris

Der Bundesrat und die Europäische Union – Mitwirkung zwischen Landesinteressen, Parteienwettbewerb und Verwaltungskoordinierung

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Die Bundesländer haben sich seit der Einheitlichen Europäischen Akte und dem Vertrag von Maastricht weitreichende Beteiligungs- und Mitentscheidungsrechte in Angelegenheiten der Europäischen Union (EU) erstritten. Dadurch sollen die Kompetenzverluste durch die ihre Europäische Integration kompensiert werden. Die Mitwirkung ist in Grundgesetz (GG) Art. 23 formalisiert. Gemäß Art. 23 Abs. 4 GG ist der Bundesrat immer dann an der europapolitischen Willensbildung des Bundes zu beteiligen, wenn er an einer entsprechenden innerstaatlichen Maßnahme mitzuwirken hätte oder soweit die Länder innerstaatlich zuständig wären. Der Länderwille in EU-Angelegenheiten, der durch das „Nadelöhr“ Bundesrat zu gehen hat, bleibt allerdings durch die fehlende Dokumentation von Abstimmungsergebnissen – und damit individuellen Länderpositionen –  in den Plenarsitzungen weitgehend im Dunkeln. Das Dissertationsprojekt überwindet dieses empirische Defizit, indem statt des Plenums die Ausschüsse des Bundesrates in den Blick genommen werden. Mit Hilfe eines neuen Datensatzes, der im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Parteipolitik im Bundesrat. Analyse anhand der Voten in den Ausschüssen des Bundesrates“ entstanden ist, werden erstmals europapolitische Entscheidungsprozesse im Bundesrat offengelegt. Anders als im Plenum werden in den Ausschüssen die Ländervoten namentlich dokumentiert. Zudem tragen die Ausschüsse die Hauptlast der materiellen Arbeit, wodurch sich die Komplexität der Willensbildung im Bundesrat anhand ihrer Arbeitsweise viel deutlicher zeigt als an Plenarentscheidungen, die eher notariellen Charakter haben. Dieser Zugang eröffnet daher differenzierte Aussagen über die relative Bedeutung von fachpolitischen, parteipolitischen und föderalen Interessen der Landesregierungen in EU-Angelegenheiten. Das Ziel ist es die Entscheidungsprozesse sowohl innerhalb der Ausschüsse als auch von den Ausschüssen hin zum Plenum nachzuvollziehen und so die Positionierung des Bundesrates in der deutschen Europapolitik zu erklären.

 


Victor Strogiesvictor-strogies

Engagement in „Lokalparteien“

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Warum kandierten Stadträte in kreisfreien Städten in Bayern auf Listen von lokalen Wählergemeinschaften?
Die empirische Arbeit sucht die Gründe für das Engagement von Stadträten in „Lokalparteien“. Unter den Begriff „Lokalparteien“ werden alle Parteien und Wählervereinigungen zusammengefasst, die nur in einem Ort aktiv sind. Die Dissertation widmet sich nur Stadträten, die bei den Kommunalwahlen 2008 in die Stadträte kreisfreier Gemeinden Bayerns eingezogen sind.


Tobias Thomala, M.A.tobias-thomala

Warum hat die Liberale Partei Kanadas ihre dominante Stellung in der kanadischen Gesellschaft verloren?

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Die Liberale Partei Kanadas, die einzige kanadische Partei, die seit der Staatsgründung 1871 existiert, gilt als „natürliche“ Regierungspartei Kanadas (natural party of government). Seit 2006 verzeichnet sie jedoch Niederlagen bei den Bundeswahlen und ist seit den letzten Wahlen 2011 nicht einmal mehr stärkste Oppositionskraft, nimmt somit nur noch eine marginale Rolle ein. Das Schicksal der Liberalen Partei teilen auch beispielsweise die italienische Christdemokratie, die irische Fianna Fáil, die schwedische SAP oder die, allerdings am 16. Dezember 2012 wiedergewählte, japanische LDP.
Bisher haben sich nur wenige aktuelle Studien mit dem Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas befasst. Die Frage drängte sich auf, wie es zu dem Einflussverlust der Liberalen Partei Kanadas gekommen ist. Die Politikwissenschaft hat sich bisher eher am Rande und kaum vergleichend mit dem Ende der politischen Vormachtstellung einer Partei im nationalen Parteiensystem beschäftigt.
Ziel meiner Dissertation ist es, Gründe für den Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas zu erforschen, diese nach ihrer Bedeutung zu gewichten und daraus möglicherweise ein allgemeingültiges Erklärungsmodell zu erstellen, welche Gründe zum Dominanzverlust von einstmals dominierenden Parteien führen. Zu diesem Zweck wird ein Mixed-Methods-Design aus Experteninterviews und statistischer Sekundäranalyse verwendet. Um der Vielseitigkeit der Gründe gerecht zu werden, wird eine Unterteilung in längerfristige strukturelle und kurzfristige situative Gründe vorgenommen.

Zu fragen ist dabei beispielsweise strukturell nach dem Einfluss der Mitgliederstruktur, des Wertewandels oder der Parteiorganisation. Zu untersuchende situative Einflussfaktoren sind zum Beispiel Kandidatenauswahl der Liberalen Partei oder politische Skandale. Allerdings kann durch eine gegenseitige Bedingung der einzelnen Faktoren eine Unterteilung nie ganz trennscharf sein. Zudem müssen die Faktoren, hier beispielsweise die strukturellen, auch in interne, wie die Parteiorganisation, und externe, wie das Wahlsystem oder der Parteienwettbewerb, unterteilt werden. Dadurch soll eine möglichst umfangreiche Erhebung der verschiedenen Gründe gewährleistet werden, deren Zusammenspiel zu einem Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas führte. Diese soll mit Hilfe von einer statistischen Sekundäranalyse dann empirisch abgesichert werden.

Bei einem von der Stiftung für Kanada-Studien geförderten Forschungsaufenthalt in Kanada sollen Experteninterviews aus den Bereichen der Politischen Wissenschaft, der Politik und des Journalismus durchgeführt sowie nach in Deutschland schwer erhältlichen Daten recherchiert werden. Gerade auch die Niederlagen der Liberalen Partei auf der wenig integrierten provinziellen Ebene erfordern eine Untersuchung vor Ort.


Erik Vollmann, M.A.

Dezentralisierung in der Arabischen Welt: Eine vergleichende Studie zu Marokko, Tunesien, Ägypten und Jordanien (Arbeitstitel)

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Die régionalisation avancée wird als eines der bedeutsamsten Reformprojekte Marokkos präsentiert. Seit ihrer offiziellen „Vorstellung“ Ende 2008 wurde im Kontext verschiedenster Problemstellungen auf sie Bezug genommen (z.B. Westsaharakonflikt, Arabischer Frühling, Regierungsversagen). Sie dominiert den offiziellen Diskurs, durchdringt Herausforderungen und Politikformulierung in zahlreichen Politikfeldern und prägt die internationale Wahrnehmung des Landes. Zwischen den offiziellen „Heilsversprechen“ dieser Form von Dezentralisierung, ihrer rechtlichen Ausgestaltung und tatsächlichen Implementierung klaffen jedoch große Lücken.

Dieses Dissertationsprojekt nimmt Regionalisierung als Herrschaftstechnik in den Blick. Als solche wird sie eingesetzt um multimodal zur Systemstabilisierung des marokkanischen Regimes beizutragen, sei es durch tatsächliche Reformdividenden (Hilfszahlungen, Effizienzsteigerungen der Verwaltung, Partizipationschancen), aber auch durch die interne wie externe Legitimation im Regime- wie öffentlichen Diskurs und die Möglichkeit der institutionsbasierten Kooptation (regionaler) Eliten im Zuge des Reformprozesses.


Christian T. Wust

Vom „Modell Deutschland“ zum „System der Corporate Governance“. Die Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Politik und Wirtschaft sind heute die zwei bedeutendsten Bereiche eines modernen Staates. Eine reale Interdependenz dieser beiden Bereiche ist hierbei unbestritten. Die Wirtschaftsordnung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland ist Grundlage und Voraussetzung, sie stellt aber auch Bedingungen für das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft. Dieser Zusammenhang zwischen staatlicher Struktur und ökonomischem Prozess ist traditionell sehr konsensbetont. Auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben agieren die Akteure beider Bereiche in einer Weise, dass sich ein „Modell“ herausgebildet hat: Das „Modell Deutschland“. Das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in Deutschland befindet sich jedoch im Umbruch. Dies ist in erster Linie auf die Veränderungen der traditionellen Säulen – Mitbestimmung, Rolle der Banken, Planungs- und Entscheidungsstil der Unternehmensführung – des Modells Deutschland zurückzuführen. Das traditionelle Modell Deutschland, wie es in den siebziger Jahren entstand, ist in seiner ursprünglichen Form heute nicht mehr vorhanden. Die Corporate Governance hat als Begrifflichkeit auch in das deutsche Wirtschaftssystem Einzug gehalten und muss als Unternehmensverfassung als starker Faktor miteinbezogen werden. Eine neue begriffliche Prägung scheint geboten, um den Wandel des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft zu charakterisieren. Das traditionelle „Modell Deutschland“ ist auf dem Weg, sich zu einem „System der Corporate Governance“ zu entwickeln.