Laufende Promotionen

 


Christoph Bruckmüller, M.A.christoph_bruckmueller

Die Entwicklung des schwedischen Parteiensystems ab 1988

Betreuer: Prof. Dr. Heinrich Pehle

Sieht man auf das aktuelle schwedische Parteiensystem, so hat dieses auf den ersten Blick nur noch wenig gemein mit der klassischen skandinavischen Form, die es im eingefrorenen Zustand im internationalen Vergleich ungewöhnlich lange annahm. Mit dem Jahr 1988 weisen Indikatoren auf Veränderungsprozesse hin, durch die sich das ehemals stabilste pluralistische Parteiensystem der Welt von seinen einfachen Strukturen verabschiedet hat. Diese Entwicklung zu entschlüsseln, stellt das zentrale Erkenntnisinteresse der Arbeit dar. Die Forschung zum Parteiensystemwandel in Westeuropa konnte bisher in ihrer Tiefe nur unbefriedigende Ergebnisse hervorbringen, was im Wesentlichen auf die vorherrschende Arbeitsweise von entweder quantitativ komparatistischen Ansätzen, die auf der morphologischen Ebene verbleiben müssen, oder von scheinbar vergleichenden Nebeneinanderstellungen kurzer qualitativer Analysen zurückzuführen ist. Die explorative Dissertation möchte das Spannungsfeld zwischen quantitativer und qualitativer Analyse aufbrechen und in der wenig beachteten Form der longitudinalen Fallstudie einen Beitrag leisten, um für jenes Problem Abhilfe zu schaffen. Die Fragen „Von wo nach wo?“, „Wie?“ und „Warum?“, die an die Entwicklung zu richten sind, werden dabei in einem mixed methods Forschungsdesign beantwortet. Während die erste durch in der vergleichenden Parteiensystemanalyse etablierte Operationalisierungen aufgelöst wird, ist die Arbeit für die beiden letztgenannten Fragen als process tracing angelegt. Diese Methode erlaubt den für die Komplexität des Untersuchungsgegenstands und den Umfang des -zeitraums zwingend erforderlichen Zugriff mit verschiedenen theoretischen Ansätzen, nachdem durch die enge Verwobenheit von Akteuren und Strukturen bei der Wahl nur einer theoretischen Perspektive kein befriedigendes Ergebnis zu erwarten ist. Somit entsteht eine Analyse der Entwicklung des schwedischen Parteiensystems, die mit verschiedenen Ansätzen quantitative Daten in einen qualitativen Kontext einbettet und kausale Erklärungen für die Veränderungen im Zeitraum nach 1988 anbietet.


Dipl.-Pol. Kristina Chmelarkristina-chmelar

Sozialismus ausstellen. Zur Inszenierung staatlich organisierter Erinnerung in Deutschland, Tschechien und der Slowakei

Betreuer: Prof. Dr. Heinrich Pehle

Insbesondere Jahrestage werden von geschichtspolitischen AkteurInnen systematisch dazu genutzt, der Öffentlichkeit je spezifische Erinnerungsangebote zu unterbreiten. Herausragende Strukturpositionen können in diesem Kontext staatlichen Organisationen attestiert werden, die basierend auf einem gesetzlich geregelten Auftrag die nationale ‚Aufarbeitung’ bzw. ‚Bewältigung’ des Sozialismus anleiten sollen. Um die Gegenwart, bestenfalls auch die Zukunft in bestimmter Weise zu ordnen, zu stabilisieren und zu legitimieren, versuchen ihre MitarbeiterInnen entsprechende Deutungen einer gesetzten Periode der Vergangenheit in das sogenannte kollektive Gedächtnis zu überführen und damit zu verstetigen. Besonders interessant erscheinen vor diesem Hintergrund bedeutungsorientierte Fragestellungen, im vorliegenden Fall zuvorderst die Frage nach dem Wie der staatlich organisierten Inszenierung von Sozialismus im Rahmen von Ausstellungen rundum den 20. bzw. 25. Jahrestag der Ereignisse von 1989. Um eine angemessene Antwort zu ermöglichen, dient eine im Anschluss an Michel Foucault entwickelte Analytik, die jenseits eines ‚glücklichen Positivismus’ vornehmlich auf Foucaults machttheoretisch grundierte Überlegungen zu Genealogie und Dispositivanalyse rekurriert und jene weiterentwickelt. Insgesamt gerät Erinnerungskultur von einer Übersetzungsperspektive aus in den Blick, die jenseits apriorischer Dualismen von Agent und Struktur oder von Diskursivem und Materiellem ansetzt und Prozesshaftes zu erklären hilft.


Patrick Michael Dino Finke, M.A.

Ausschussvoten im Bundesrat (Arbeitstitel)

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm


Dipl.-Pol. Florian Fößelflorian-foessel

Warum scheiterte der Dritte Weg der Sozialdemokratie? Ein deutsch-britischer Vergleich

Why was the Third Way of Social Democracy politically unsuccessful? A British-German comparison

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Das Forschungsvorhaben aus dem Bereich der vergleichenden Parteienforschung be-schäftigt sich thematisch mit dem Dritten Weg der Sozialdemokratie in Deutschland und Großbritannien. In gegebenem Kontext bezeichnet der Begriff des Dritten Weges ein parteipolitisches Strategiekonzept zur Neuausrichtung programmatischer Grund-prämissen und angestrebter Politikziele, das angesichts veränderter ökonomischer, sozi-alstruktureller und politischer Rahmenbedingungen auf die Runderneuerung der Sozial-demokratie im 21. Jahrhundert abzielte. Konzeptionell betrachtet, war die Strategie des Dritten Weges darauf ausgerichtet, einen alternativen Politikentwurf zwischen keynesi-anisch-etatistischem Marktinterventionismus der Alten Linken und neoliberalem Markt-liberalismus der Neuen Rechen zu begründen. Das Dissertationsprojekt folgt der er-kenntnisleitenden Forschungsfrage, warum der Dritte Weg als gesamtstrategischer Re-ferenzpunkt einer sozialdemokratischen Reform- und Modernisierungsperspektive trotz anfänglicher Erfolge im Ergebnis »scheiterte« bzw. warum in beiden Vergleichsfällen die programmatische und politikstrategische Abkehr vom Konzept des Dritten Weges zu konstatieren ist.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird die Parteientwicklung von New Labour und der Neuen Mitte in den Kontext eines intentionalen Parteienwandels gestellt und vergleichend analysiert. Hierfür werden unter Rückgriff auf den Theoriebestand der wandlungsorientierten Parteienforschung, der politikwissenschaftlichen Strategieanaly-se sowie prominenter Evaluationsheuristiken der Policy-Evaluation-Studies parteiinter-ne, parteiexterne und policy-bezogene Einflussfaktoren entwickelt, die strategiegeleitete Wandlungsprozesse erfolgsentscheidend beeinflussen. Die Kernthese der Arbeit lautet: Die Abkehr der britischen und deutschen Sozialdemokratie von der Strategie des Dritten Weges ist in beiden Vergleichsfällen auf ein komplexes Zusammenspiel von parteiin-ternen Legitimationsdefiziten, konzeptionellen Unzulänglichkeiten der jeweiligen Re-formstrategien sowie dem Verlust parteipolitischer Wettbewerbsfähigkeit infolge der reformpolitischen Strategieimplementierung in den wohlfahrtsstaatlichen Kernpolitik-feldern der Wirtschafts- und Sozialpolitik zurückzuführen. Alternativ formuliert: So-wohl New Labour als auch die Neue Mitte sind in ihrem Vorhaben gescheitert, unter dem Leitmotiv des Dritten Weges ein parteiintern mehrheits-, parteiextern wettbewerbs- und konzeptionell tragfähiges Wirtschafts- und Sozialmodell zu etablieren, das über hinreichendes Kompatibilitätspotential mit dem identitätskonstituierenden und profil-bildenden Grundwertekanon der Sozialdemokratie verfügte. Leitfadengestützte Exper-teninterviews und die hermeneutische Analyse kontextrelevanter Parteidokumente ste-hen im Zentrum der qualitativ-empirischen Untersuchung.


Dipl.-Pol. Felix M. Franckefelix_francke

Netzneutralität als Nebenbedingung politischer Kommunikation in digitalen Demokratien Europas

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Immer mehr Akteure arbeiten daran, die traditionellen Wege politischer Kommunikation durch internetbasierte Beteiligungsmöglichkeiten zu ergänzen. Die neuen Beteiligungsmöglichkeiten basieren notwendigerweise alle auf der technischen Architektur des Internets. Sie begünstigte lange eine neutrale Übermittlung der Informationen ohne Anschauung von Inhalt, Ursprung und Ziel bestimmter Datenpakete. Diese Netzneutralität war auch technischen Limitierungen geschuldet, die inzwischen überwunden sind. Netzbetreiber werden dadurch zu neuen Gatekeepern beim Informationsaustausch. Der Charakter des Internets als „demokratischstes Massenmedium der Welt“ steht in Frage.

In der EU sollen Netzbetreiber durch Wettbewerbsdruck und sektorspezifische Regulierung von Eingriffen in die Datenübertragung abgehalten werden. Dennoch ist die Sperrung ganzer Diensteklassen, wie der VoIP-Telefonie, im Mobilfunk weit verbreitet. Die Arbeit vergleicht die Reaktionen ausgewählter europäischer Länder auf diese Herausforderung und versucht aus aktuellen Daten eine Einschätzung über die Effektivität der verschiedenen Regulierungsansätze abzuleiten.


Dipl.-Pol. Manuel Kronschnabelmanuel-kronschnabel

Profitieren kleine Parteien vom Wechsel des Sitzzuteilungsverfahrens von D’Hondt zu Hare/Niemeyer? Eine Untersuchung anhand der Bayerischen Kommunalwahl 2014

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Der Bayerische Landtag reformierte 2010 das Gemeinde und Landkreiswahlgesetz und ersetzte für künftige Kommunalwahlen die Sitzzuteilungsmethode nach D’Hondt durch die Methode nach Hare/Niemeyer. Grund dieser Gesetzesänderung war die offenkundige Bevorteilung großer Parteien durch die Methode D’Hondt. Bei der Bayerischen Kommunalwahl 2014 kam die neue Zuteilungsmethode zum ersten Mal zum Tragen.

Die Dissertation möchte untersuchen, ob durch den Wechsel von D’Hondt zu Hare/Niemeyer kleinere Parteien im Vergleich zu vorangegangene Kommunalwahlen tatsächlich – und wenn ja, in welcher Qualität – profitiert haben. Darüber hinaus wird anhand der Kommunalwahlergebnisse 2014 untersucht, ob das mit gelegentlich auftretenden Paradoxien behaftete Hare/Niemeyer-Verfahren für die Bayerische Kommunalwahl mit ihren bestimmten Eigenheiten gegenüber Land- und Bundestagswahlen überhaupt das geeignete Sitzzuteilungsverfahren darstellt. Bestehende Alternativen, insbesondere das Divisorverfahren nach Saint Laguë/Schepers, werden in der Untersuchung der Kommunalwahl 2014 mitdiskutiert.


Daniel Lemmer, M.A.daniel-lemmer

Der Wandel des spanischen Parteiensystems von 1977 bis 2017: Position issues und Wettbewerb

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Ziel dieser Arbeit ist es, den Wandel des spanischen Parteiensystems von 1977 bis in die Gegenwart durch die in Wahlprogrammen enthaltenen issues messbar zu machen und deren Verschiebungen sowie die unterschiedlichen Wettbewerbskonstellationen, in denen sich die Parteien zueinander befinden, zu untersuchen. Die Methode ist deduktiv und geht dabei von der Annahme aus, dass die Kernfunktion von Parteien nicht die Regierungsbildung, sondern die Repräsentation ist. Diese Annahme, welche die Methode zur Messung von issues bestimmt, wird mit Hypothesen über das zu erwartende Verhalten von Parteien aus der Parteiensystemwandel-Literatur kombiniert. Obwohl diese Hypothesen u .a. aus dem ökonomischen, von Downs (1957) begründeten Zweig der Parteiensystemforschung stammen, grenzt sich das theoretische Vorgehen klar von diesem Zweig ab, da beispielsweise nicht von ökonomisch-rational handelnden Individuen bzw. Akteuren ausgegangen wird. Obwohl der Fokus der Arbeit auf dem gesamten Zeitraum von 1977 bis in die Gegenwart liegt, rückt somit auch unweigerlich die Frage nach der Entstehung neuer Parteien in den Mittelpunkt.

 

Constantin Schlachetzki, M.A.constantin-schlachetzki

Effektivität und Effizienz des Schutzes kritischer Infrastrukturen im Spektrum der Heimatschutzpolitik Deutschlands und der Vereinigten Staaten – Eine Analyse staatlicher und privatwirtschaftlicher Maßnahmen zur Erhöhung des Schutzniveaus in ausgewählten Infrastruktursektoren

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Kritische Infrastrukturen sind von herausragender Bedeutung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Funktionsfähigkeit industrialisierter Nationen – und entsprechend bedroht. Ziel dieser Dissertation ist es, Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastrukturen in Bezug auf Effektivität und Effizienz zu analysieren.

Im Rahmen von Fallstudien aus jeweils zwei Infrastruktursektoren in Deutschland und den Vereinigten Staaten befaßt sich die Arbeit mit der Sicherung maritimer Lieferketten sowie von Produktionsanalagen der chemischen Industrie. Dazu werden, ausgehend von Theoriemodellen der Mikroökonomie, quantitative und qualitative Indikatoren herangezogen, um die Effektivität deutscher und US-amerikanischer Infrastrukturschutzprogramme meßbar zu machen. Diese wird dabei wesentlich als eine Funktion der Reduzierung von sicherheitsrelevanten Marktfunktionslücken verstanden, welche etwa aus externen Sicherheitseffekten und Interdependenzen resultieren können. Anschließend wird die Effizienz der Sicherungsmaßnahmen untersucht, d.h. mit Hilfe des Instruments der Kosten-Nutzen-Analyse wird geprüft, ab welcher Schwelle die erfolgten Sicherheitsinvestitionen in den Infrastruktursektoren kostenneutral sind oder Nutzen generieren. Die Berechnung des Nutzens erfolgt in diesem Kontext auf Basis der Vermeidung potentieller menschlicher und wirtschaftlicher Verluste und somit der Folgenabschätzung verschiedener Angriffsszenarien auf kritische Infrastrukturen.


Martina Schlögel, M.A.martina-schloegel

Der Schutz bürgerlicher Freiheitsrechte durch das Bundesverfassungsgericht und den U.S. Supreme Court: Eine Analyse der Einflussfaktoren auf die höchstrichterliche Rechtsprechung in Deutschland und den USA

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Das Bundesverfassungsgericht und der U.S. Supreme Court sind Institutionen, die mit ihrer Judikatur Entscheidungen über elementare Fragen des politischen und gesellschaftlichen Lebens treffen. Während die Wirkung der Rechtsprechung beider Gerichte in der wissenschaftlichen Diskussion breite Rezeption fand, wurde bislang jedoch kaum erforscht, welchen Einflüssen die Gerichte ihrerseits ausgesetzt sind, und welche Auswirkungen diese auf die höchstrichterlichen Entscheidungen haben.

Gegenstand der empirischen Untersuchung ist die Rechtsprechung zu den bürgerlichen Freiheitsrechten. Gerade diese bedürfen in Krisenzeiten des verfassungsgerichtlichen Schutzes, da die Gefahr besteht, dass sie von Gesetzgeber und Exekutive als einengend und hinderlich betrachtet und daher unterlaufen werden. Anhand der Rechtsprechung zu ausgewählten Freiheitsrechten wird das Zusammenspiel verschiedenster Faktoren innerhalb und außerhalb der Gerichte untersucht und dann in einem Modell zusammengeführt.


Antonios Souris, M.A.Bild Antonios Souris

Europäisierung und europäische Rolle des Bundesrats (Arbeitstitel)

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm


Victor Strogiesvictor-strogies

Engagement in „Lokalparteien“

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Warum kandierten Stadträte in kreisfreien Städten in Bayern auf Listen von lokalen Wählergemeinschaften?
Die empirische Arbeit sucht die Gründe für das Engagement von Stadträten in „Lokalparteien“. Unter den Begriff „Lokalparteien“ werden alle Parteien und Wählervereinigungen zusammengefasst, die nur in einem Ort aktiv sind. Die Dissertation widmet sich nur Stadträten, die bei den Kommunalwahlen 2008 in die Stadträte kreisfreier Gemeinden Bayerns eingezogen sind.


Tobias Thomala, M.A.tobias-thomala

Warum hat die Liberale Partei Kanadas ihre dominante Stellung in der kanadischen Gesellschaft verloren?

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Die Liberale Partei Kanadas, die einzige kanadische Partei, die seit der Staatsgründung 1871 existiert, gilt als „natürliche“ Regierungspartei Kanadas (natural party of government). Seit 2006 verzeichnet sie jedoch Niederlagen bei den Bundeswahlen und ist seit den letzten Wahlen 2011 nicht einmal mehr stärkste Oppositionskraft, nimmt somit nur noch eine marginale Rolle ein. Das Schicksal der Liberalen Partei teilen auch beispielsweise die italienische Christdemokratie, die irische Fianna Fáil, die schwedische SAP oder die, allerdings am 16. Dezember 2012 wiedergewählte, japanische LDP.
Bisher haben sich nur wenige aktuelle Studien mit dem Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas befasst. Die Frage drängte sich auf, wie es zu dem Einflussverlust der Liberalen Partei Kanadas gekommen ist. Die Politikwissenschaft hat sich bisher eher am Rande und kaum vergleichend mit dem Ende der politischen Vormachtstellung einer Partei im nationalen Parteiensystem beschäftigt.
Ziel meiner Dissertation ist es, Gründe für den Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas zu erforschen, diese nach ihrer Bedeutung zu gewichten und daraus möglicherweise ein allgemeingültiges Erklärungsmodell zu erstellen, welche Gründe zum Dominanzverlust von einstmals dominierenden Parteien führen. Zu diesem Zweck wird ein Mixed-Methods-Design aus Experteninterviews und statistischer Sekundäranalyse verwendet. Um der Vielseitigkeit der Gründe gerecht zu werden, wird eine Unterteilung in längerfristige strukturelle und kurzfristige situative Gründe vorgenommen.

Zu fragen ist dabei beispielsweise strukturell nach dem Einfluss der Mitgliederstruktur, des Wertewandels oder der Parteiorganisation. Zu untersuchende situative Einflussfaktoren sind zum Beispiel Kandidatenauswahl der Liberalen Partei oder politische Skandale. Allerdings kann durch eine gegenseitige Bedingung der einzelnen Faktoren eine Unterteilung nie ganz trennscharf sein. Zudem müssen die Faktoren, hier beispielsweise die strukturellen, auch in interne, wie die Parteiorganisation, und externe, wie das Wahlsystem oder der Parteienwettbewerb, unterteilt werden. Dadurch soll eine möglichst umfangreiche Erhebung der verschiedenen Gründe gewährleistet werden, deren Zusammenspiel zu einem Dominanzverlust der Liberalen Partei Kanadas führte. Diese soll mit Hilfe von einer statistischen Sekundäranalyse dann empirisch abgesichert werden.

Bei einem von der Stiftung für Kanada-Studien geförderten Forschungsaufenthalt in Kanada sollen Experteninterviews aus den Bereichen der Politischen Wissenschaft, der Politik und des Journalismus durchgeführt sowie nach in Deutschland schwer erhältlichen Daten recherchiert werden. Gerade auch die Niederlagen der Liberalen Partei auf der wenig integrierten provinziellen Ebene erfordern eine Untersuchung vor Ort.


Erik Vollmann, M.A.

Dezentralisierung in der Arabischen Welt: Eine vergleichende Studie zu Marokko, Tunesien, Ägypten und Jordanien (Arbeitstitel)

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm


Dipl.-Pol. Britta Walthelmnopicture

Policy Convergence Through Learning? Advocacy Coalitions and Policy Change in Response to International Terrorism in the United Kingdom, Germany, and Spain

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Amongst academics, there is still an open debate about whether the response to “international terrorism” has had a major impact on problem perceptions and policy outputs and whether it spurred policy convergence among in Western European countries. The research analyses these questions systematically by example of the United Kingdom, Germany, and Spain.

The thesis takes up an institutionalist perspective but emphasises that political actors’ goals may develop over time. From this angle, the outcome of the policy process does not simply depend on the rules of decision making but on processes of learning of actors who take part in the decision making process in a certain institutional environment. The work thereby ties in with recent theories of the policy process which highlight the role of ideas and belief systems.


Christian T. Wustchristian-wust

Vom „Modell Deutschland“ zum „System der Corporate Governance“. Die Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Politik und Wirtschaft sind heute die zwei bedeutendsten Bereiche eines modernen Staates. Eine reale Interdependenz dieser beiden Bereiche ist hierbei unbestritten. Die Wirtschaftsordnung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland ist Grundlage und Voraussetzung, sie stellt aber auch Bedingungen für das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft. Dieser Zusammenhang zwischen staatlicher Struktur und ökonomischem Prozess ist traditionell sehr konsensbetont. Auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben agieren die Akteure beider Bereiche in einer Weise, dass sich ein „Modell“ herausgebildet hat: Das „Modell Deutschland“. Das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in Deutschland befindet sich jedoch im Umbruch. Dies ist in erster Linie auf die Veränderungen der traditionellen Säulen – Mitbestimmung, Rolle der Banken, Planungs- und Entscheidungsstil der Unternehmensführung – des Modells Deutschland zurückzuführen. Das traditionelle Modell Deutschland, wie es in den siebziger Jahren entstand, ist in seiner ursprünglichen Form heute nicht mehr vorhanden. Die Corporate Governance hat als Begrifflichkeit auch in das deutsche Wirtschaftssystem Einzug gehalten und muss als Unternehmensverfassung als starker Faktor miteinbezogen werden. Eine neue begriffliche Prägung scheint geboten, um den Wandel des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft zu charakterisieren. Das traditionelle „Modell Deutschland“ ist auf dem Weg, sich zu einem „System der Corporate Governance“ zu entwickeln.