Laufende Habilitationen

Dr. Tim Griebel

The Cultural Political Economy of Austerity in the United Kingdom. A Critical Realist Corpus-Assisted Multimodal Discourse Analysis

 

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Austerity is a hotly debated topic within the social sciences. It cannot be reduced to spending cuts, but has to be understood as a complex social phenomenon with consequences for mental health and well-being, social equality, politics and everyday life. Some observers, therefore, speak of an “age of austerity”. Although the relevance of austerity is without doubt, the meanings that are attached to it diverge dramatically. Whereas supports argue that austerity is a rational recipe for indebted societies to achieve fiscal sustainability and economic growth, critics see in austerity a dangerous neoliberal idea that threatens human growth. As social reality is always mediated, media play a central role within the struggle between different evaluations and constructions of austerity. Not only language, but also images play an important role within this genre. But despite radical social constructivists assertions, an analysis of austerity cannot be reduced to the form of texts and images alone. On the contrary, we have to think about the role of material conditions as well because they to a large extent help us to understand the forces behind semiotic forms. The philosophical underlabourer of Critical Realism in general and of the Cultural Political Economy (CPE) approach in particular try to decode this relationship between semiotic forms and material forces that is also prominently discussed these days under the heading of “new materialism”. By incorporating the material social psychology of Erich Fromm as well as the work on multimodality, CPE shall be developed further so that an elaborated corpus assisted critical realist discourse analysis enables a deeper understanding of austerity in the United Kingdom in the period between 2010 and 2016.

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Dr. Thorsten Winkelmann

Bewegungsförmiger Protest in der Infrastrukturpolitik

 

Betreuer: Prof. Dr. Roland Sturm

Der allseits konstatierte Sanierungs- und Modernisierungsstau in nahezu allen Bereichen der öffentlichen Hand ist nicht nur auf sinkende Investitionsquoten im zeitlichen Verlauf zurückzuführen. Auch die fehlende Bereitschaft innerhalb der Bevölkerung, die mit der jeweiligen Infrastruktur verbundenen potentiellen wie realen Externalitäten zu (er-)tragen, wirkt sich negativ auf die Erstellung von Infrastrukturen aus: Gesellschaftliche Widerstände gegen bestimmte Investitionsvorhaben der öffentlichen Hand führen zu Kostensteigerungen und Terminüberschreitungen, vereinzelt sogar zum Projektabbruch. Die oftmals beklagte „Politikverdrossenheit“ scheint zumindest im Politikfeld Infrastruktur grundlegend revisionsbedürftig zu sein, denn nicht nur die in der breiten Medienöffentlichkeit diskutierten Projekte wie Stuttgart 21, Berlin Brandenburg International (BBI), Dritte Startbahn des Münchner Flughafens, Olympische Sportstätten oder die mit der Energiewende verbundenen Vorhaben sind hochgradig umstritten, vielmehr stößt nahezu jede Umgehungsstraße oder jedes Windrad auf Protest von nennenswerten Teilen der Standortbevölkerung. Hier setzt die geplante Habilitationsschrift mit der These an, dass derartige Widerstände nicht nur auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen sind, wo politische Entscheidungsträger die mit dem entsprechenden Vorhaben verbundenen Ziele bzw. Vorteile nur unzureichend erklären, sondern das die Legitimationsprozesse in ihrer gegenwärtigen Verfasstheit kaum mehr für die erforderliche Gültigkeit und Verbindlichkeit von Entscheidungen sorgen können. Legitimationsdefizite, aus denen gesellschaftliche Widerstände in diesem Politikfeld resultieren, wurden bislang entweder als Kommunikationsproblem, als temporäres Phänomen von „Wutbürgern“ oder als verfahrensrechtlich zu bearbeitendes Problem aufgefasst. Weitestgehend unberücksichtigt blieben dabei der bewegungsförmige Charakter der Proteste und die damit verbundenen Konsequenzen, organisieren die doch als kollektive Akteure zu charakterisierenden sozialen Bewegungen nicht nur mobilisierungsfähige Unzufriedenheit oder stiften Sinn. Vielmehr treten sie auch als außerparlamentarische Opposition auf, die die Politik etablierter Kräfte wie Parteien und Verbände beeinflussen, Gegen-Machtbildung betreiben, normative Gestaltungsansprüche formulieren und letztlich die Bindewirkung von politischen Entscheidungen parlamentarischer Mehrheiten verringern.